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  • Seehundwürde

    Du hast ihn nie spie­len sehen, für dich ist er ein älte­rer Ver­rück­ter, der fast von der Tri­bü­ne fällt, unkon­trol­liert von einer Trai­ner­bank auf­springt oder bei Bene­fiz­spie­len sei­nen viel zu schwe­ren Kör­per über den Platz schleppt. Du hast ihn nie spie­len sehen, für dich ist er Bou­le­vard, Exzess, eine Welt,…

  • Wie mir in Österreich lebende Menschen in Zeiten der möglichen Ansteckungsgefahr auf engen Wegen entgegenkommen

    1.Sie wei­chen mir ele­gant aus (manch­mal höf­lich lächelnd). 2. Sie wei­chen mir ele­gant aus, suchen Augen­kon­takt (und grü­ßen ver­stoh­len bezie­hungs­wei­se so, dass sie etwa „Hal­lo“ sagen, dabei aber den Mund mög­lichst geschlos­sen halten). 3. Sie dre­hen sich weg von mir und tun so als wür­den sie die Land­schaft, einen Gras­halm…

  • Notiz zu Nash vek von Artavazd Peleshyan

    Wenn man über Sinn­bil­der nach­denkt, ver­mag einen die durch­aus aus­ge­laug­te, letz­te über­le­ben­de Kopie eines 35mm-Films über das immer wie­der in Kata­stro­phen füh­ren­de Fort­schritts­den­ken mensch­li­cher Prä­gung durch­aus rei­zen. Doch Arta­vazd Pele­shyan hat mehr auf die­ser Film­ko­pie ver­steckt, als die vom Öster­rei­chi­schen Film­mu­se­um im Rah­men ihrer Rei­he zum Found-Foo­ta­ge-Film nur all­zu gern…

  • Notiz zu Aufzeichnungen aus der Unterwelt von Tizza Covi, Rainer Frimmel

    Das Schwar­ze und das Wei­ße am Film (am wirk­li­chen Film) ist so der­ma­ßen plas­tisch, dass man direkt in die Räu­me, das heißt im Fall von Covi und Frim­mel in die Men­schen und deren Geschich­ten hin­ein­ka­ta­pul­tiert wird. Wo die bei­den Fil­me­ma­cher nor­mal ihre Füh­ler hin in poten­zi­el­le Mög­lich­keits­räu­me öff­nen, ver­har­ren sie…

  • Les Nuits Blanches: Tendre von Isabel Pagliai

    Über jene, die die Welt vergessen in Isabel Pagliais Tendre

  • Ma ma he qi tian de shi jian von Li Dongmei

    Für gewöhn­lich wird Gleich­zei­tig­keit im Kino mit schnel­len Schnit­ten, Par­al­lel­mon­ta­gen oder gar Split-Screens erzählt. Li Dong­mei dage­gen beweist in ihrem inter­na­tio­nal kurz als Mama gehan­del­ten Film, dass es viel­mehr ein Bewusst­sein für die unter­schied­li­chen Strö­me der Zeit braucht. So han­delt das auto­bio­gra­fi­sche Werk (wie die meis­ten auto­bio­gra­fi­schen Stof­fe) von der…

  • Betrachtungen zu Thiem versus Zverev, 13. September 2020

    Eigent­lich hat­te ich mir vor­ge­nom­men, dem Stell­dich­ein zwi­schen dem nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wer­be­ge­sicht der Bank Aus­tria und dem ober­kör­per­frei durch die Coro­na­zeit tan­zen­den „Sascha“ Zverev nicht bei­zu­woh­nen, eine inne­re kör­per­li­che Unru­he beweg­te mich jedoch dazu, mich nachts nicht vom Bild­schirm fort­zu­be­we­gen, um die­se, so wur­de mir vom zwi­schen auf­rech­ter Lie­be zum Sport…

  • Notiz zu Tenet von Christopher Nolan

    In der fan­ta­sie- und gefühls­be­frei­ten Kunst der naht­lo­sen Bewe­gungs-Mon­ta­ge hat Chris­to­pher Nolan mit sei­nem jüngs­ten Able­ger einen Mei­len­stein geschaf­fen. Alles wur­de der­art sau­ber ver­klebt, dass man stel­len­wei­se glaubt, auf die Außen­fas­sa­de eines im Wind­ka­nal opti­mier­ten Segel­flug­zeugs zu star­ren statt auf einen Film. Die Fra­ge, die sich stellt: Was befin­det sich…

  • Warum man eine Kritik schreibt

    „Aber in der Kri­tik muß man, wenn man nicht zu Kin­dern spricht, den Hei­ne beim wah­ren Namen nen­nen dürfen.“ (Karl Kraus) Wie jede Zeit ist auch die­se eine Zeit der Moden. Din­ge gehö­ren sich oder gehö­ren sich nicht, je nach­dem, wie der Wind gera­de steht. Was die Kri­tik und ihren…

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