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  • Ausgetrockneter Stift

    Du kannst nicht auf Regen hof­fen, nicht­mal das. Was aus dir ström­te und als Pfor­te in eine ande­re Welt dien­te, ist nur mehr Plas­tik. Dei­ne letz­ten Zuckun­gen ver­ge­hen im Weiß. Dabei hast du ges­tern noch so gut aus­ge­se­hen. Alles ging ganz schnell. Drei oder vier Sät­ze, ein zu lan­ges Wort,…

  • Lissabonner Kleinigkeiten: Das verzauberte Archiv

    Im hüge­li­gen Euka­lyp­tus­wald, umge­ben von Medron­ho-Büschen, Nespe­ra-Mis­peln, Eier­schwam­merln und Kas­ta­ni­en liegt auf einer Anhö­he das wie ein Jagd­schloß anmu­ten­de por­tu­gie­si­sche Film­ar­chiv ANIM. Vor 1996 war hier eine Quin­ta, auf der Wein wuchs. Eine unge­öff­ne­te Fla­sche roter ANIM-Wein, ver­mut­lich für die Eröff­nung damals pro­du­ziert, steht noch bei mir im Zim­mer­schrank. Unge­wöhn­lich,…

  • Träume einer Rundfahrt

    9. Mai: »Untä­tig­keit aus Halb­her­zig­keit« titelt ein Bou­le­vard­blatt. Dar­un­ter ein rei­ße­ri­sches Papa­raz­zi­fo­to des Rad­renn­fah­rers aus sei­ner Hotel­un­ter­kunft. Er liegt ver­steckt unter sei­de­nen Decken, die mit Schlei­fen ver­ziert sind. Auf dem Nacht­tisch dane­ben befin­det sich auf der Hotel­bi­bel eine klei­nes Käst­chen mit gespitz­ten Blei­stif­ten. (…) Ein Auto hält auf einem Platz…

  • Notizen zu Mur Murs von Agnès Varda

    Text: Leo­nie Jenning „The word mural means: I exist and I sign what’s mine.“ 1979 beginnt Agnès Var­da in einem essay­is­ti­schen Doku­men­tar­film die Wand­ma­le­rei­en, die soge­nann­ten Murals in Los Ange­les auf 16mm-Mate­ri­al fest­zu­hal­ten. Wäh­rend sie dem Flüs­tern der Murals von Venice Beach bis East L.A. folgt, kom­men­tiert Agnès Var­da das, was sich…

  • Notiz zu Conversa Acabada von João Botelho

    Ein wei­te­rer Ver­such des por­tu­gie­si­schen Kinos, Wor­te in Bil­der zu wan­deln. Die Flüch­tig­keit mit der Bestän­dig­keit zu ver­wech­seln, das Haus mit dem Gar­ten. Das Debüt João Botel­hos wid­met sich in einer sti­li­sier­ten Nach­stel­lung dem Brief­wech­sel zwei­er weg­wei­sen­der Lyri­ker des frü­hen 20. Jahr­hun­derts: Fer­nan­do Pes­soa und Mário de Sá-Car­nei­ro. Geprägt von…

  • Notiz zu Camarades von Marin Karmitz

    Text: Leo­nard Krähmer »Je suis heu­reu­se«, schreibt ein Fin­ger an die beschla­ge­ne Innen­sei­te eines Auto­fens­ters. Der Fin­ger gehört Juli­et­te (Juliet Ber­to), einer jun­gen Frau, die kurz spä­ter über­haupt nicht mehr glück­lich drein­schaut, wie sie da im Schau­fens­ter des Damen­mo­de­ge­schäfts lehnt und freud­los hin­aus in die Gas­se starrt. Obwohl sie in…

  • Neue Fassung

    Es kann vor­kom­men, dass sich die Geschich­ten man­cher Fil­me selbst in film­rei­fe Geschich­ten ver­wan­deln. Reif, weil sie über lan­ge Zeit durch vie­le Hän­de gegan­gen sind. Fil­misch, weil es den Zufall bes­ser aus­se­hen lässt, als man ihn sonst zu Gesicht bekommt. Die Film­rei­fe ist mehr eine spie­le­ri­sche Flos­kel für etwas, das…

  • Der gerade beginnende Film

    Seit gerau­mer Zeit ist der gera­de begin­nen­de Film das ein­zi­ge, was mich am Kino begeis­tert. Alles ist mög­lich in die­sen ers­ten Sekun­den, ein ande­rer Film, eine gro­ße Erfah­rung, eine Erkennt­nis, über­haupt ein Film ist mög­lich. Ich schaue wacher, auf­merk­sa­mer, gedul­di­ger, neu­gie­ri­ger, weil ich noch nicht weiß, nach wel­chen Regeln der…

  • Notiz zu Céline et Julie vont en bateau von Jacques Rivette

    Text: Rahel Jung Irgend­wo zwi­schen ver­gan­ge­nen Ver­hei­ßun­gen und fer­nen femi­nist futures begeg­nen sich Céli­ne und Julie. Eher: Juliet Ber­to als Céli­ne ver­liert im Park – nichts pas­siert hier ver­se­hent­lich – ihre Hül­len, Julie (Domi­ni­que Labou­rier) sam­melt sie auf und legt sie an. Es wird sich in einem som­mer­li­chen Paris ver­steckt und…

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